Einfahren des A1

Dieses Thema im Forum "Fahrzeugpflege Forum" wurde erstellt von edge07, 15.09.2010.

  1. danielmewes

    danielmewes Audi A1 Guru

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    Verstehe.
    Die Tatsache dass dein Kumpel bei BMW auch davon erzählt hat, macht es auch wieder ein klein wenig wahrscheinlicher dass dieser dritte-Körper-Effekt real ist.
    Die TR verzichtet ja leider komplett auf Quellenangaben (in Form publizierter Paper etc.), und ist daher wissenschaftlich genau so aussagekräftig wie die BILD. Dieser Artikel ist auch wiedet so ein Beispiel. Da wird ein Experte befragt, der von früheren Studien berichtet. Wo man aber die komplette Studie findet fehlt. Ob es seitdem gegenteilige Ergebnisse in anderen Untersuchungen gab oder auch Wiederholungen dieser Studie mit positivem Ergebnis wird nicht erwähnt und lässt sich nicht ohne weiteres feststellen, da wir nicht wissen was für eine Studie es denn genau war (und ob sie überhaupt veröffentlicht wurde). Ebensowenig wie Stichprobenumfang, genaue Bedingungen der Studie, eventuelle alternative Erklärungen der Ergebnisse und so weiter.
    Aussagekraft des Expertenkommentars: Nahe null.

    Der Autor behauptet dagegen "Doch der Rat [den Motor langsam einzufahren] gilt unter Experten schon lange als überholt". Nur wie kommt der Autor zu diesem Schluss? Darüber lässt er uns im Dunkeln.

    Ich sehe ein, dass die TR zumindest in ihrer deutschen Form eine rein populärwissenschaftliche Veröffentlichung ist und daher auf Details verzichtet werden muss. Da was der Artikel sagt in direktem Widerspruch zu den offiziellen Aussagen der Hersteller steht, hätte ich mir aber wenigstens ein par Angaben zu "further reading" gewünscht.

    Vielleicht stimmt es und man sollte mit kurzzeitig hohen Belastungen einfahren. Vielleicht auch nicht. Auf Basis der mir verfügbaren Informationen kann ich hier keine Entscheidung treffen. Vielleicht haben andere hier mehr Fakten zu dem Thema?
     
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  2. A1Scuba

    A1Scuba Mitglied

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    Die Zylinderlaufbahnen und Lagerbuchsen werden natürlich immer in den gleichen Bereichen abgenutzt.
    Ich lasse jetzt mal die Lagerbuchsen aussen vor und halte mich nur an die Zylinderlaufbahnen und die Kolbenringe, das machts einfacher.
    Richtig, jedoch ist es von entscheidender Bedeutung, wie sie beansprucht werden.
    Nicht die Zylinder, sondern die Kolben bewegen sich in den Zylindern, genauer gesagt wirken die Kolbenringe auf die Zylinderwände.
    Die Denkweise ist zu vereinfacht.
    Ich versuche es mal recht einfach darzustellen: Je nachdem wie stark du das Gaspedal durchtrittst verändert sich die Last des Motors. Heißt im Leerlauf ist der Motor lastfrei und es wird gerademal soviel Kraftstoff eingespritzt damit die Drehzahl gehalten wird, es wird nur soviel Energie benötigt um die inneren bewegten Massen zu bewegen. Dazu zählen auch Aggregate wie Lima usw.
    Will ich nun beschleunigen gibt es eine fast unbegrenzte Anzahl an Gaspedalstellungen zwischen 0 und 1 (ganz durchgetreten).
    Mit steigendem Druck aufs Gaspedal steigere ich die Motorlast.
    Heißt (beim Direkteinspritzer) die Drosselklappe (beim Benziner) wird entsprechend geöffnet und entsprechend der im Kennfeld hinterlegten Daten die jeweilige Kraftstoffmenge eingespritzt. Gleichzeitig wird der Druck im Saugrohr auch entsprechend der Kennfelddaten reguliert. Bei hoher Lastanforderung wird der Druck bis zum Maximum angehoben und die entsprechend Menge Kraftstoff eingespritzt.
    Der sogenannte Nulllastbereich des Motors beschreibt im Kennfeld die Linie über den gesamten Drehzahlbereich, bei der dem Motor keine Last abverlangt wird.
    Die Volllastlinie (ebenfalls über den gesamten Drehzahlbereich) beschreibt die höchste Last auf den Motor (Gaspedal voll durchgetreten).
    Der Teillastbereich, in der sich ein Motor die meiste Zeit seines Lebens bewegt, liegt dazwischen.
    Damit kommen wir zum sogenannten effektiven Mitteldruck pme der direkt mit der Last zusammen hängt.
    Die höchsten Mitteldrücke im Zylinder erhält man im Bereich der Volllastlinie. Und die sind je nach Drehzahl unterschiedlich.
    In der unten angehängten Grafik erkennt man schön den Verlauf der höchsten Mitteldrück über der Drehzahl (3-Zylinder Diesel-Motor aus nem SMART), die Zahlen stehen für den jeweiligen Verbrauch, der gelbe Bereich kennzeichnet den niedrigsten Verbrauch und damit den Betriebsbereich mit dem höchsten Wirkungsgrad.
    Das ganze kann dann noch mit Gang-Linien gespickt werden, woraus man ablesen kann, mit welchem Gang man bei welcher Geschwindigkeit am wenigsten verbraucht. (aber das geht jetzt zu weit)
    Zurück zum effektiven Mitteldruck:
    Dieser entspricht der Leistung am Schwungrad und ist gleichzeitig ein Maß für das aktuell anliegende Drehmoment. Er entspricht der Differenz aus indiziertem Mitteldruck und dem Reibmitteldruck. Womit wir bei der Wirkung des Kolbens auf die Zylinderwand wären.
    Erst wenn der Motor die höchsten Mitteldrück anfährt entstehen die höchsten Temperaturen im Verbrennungsraum, erst dann erreicht der Kolben und die Zylinderwand die höchsten möglichen Temperaturen. Erst dann nehmen die beiden die die extremsten Formen zueinander an.
    Also erst wenn ich möglichst hohe Mitteldrücke fahre stehen die beiden Materialien in der endgültigen Position zueinander. Nicht vergessen: wir bewegen uns hier im µm-Bereich. Je nach Zylinderverzug durch thermische Beanspruchung (0. bis 4. Ordnung) bewegen wir uns im zulässigen Bereich bis 24 µm. Erst dann entsteht ein notwendiger Abrieb und eine Oberflächenveränderung die die Laufbahnen "endfest" machen.
    In Grafik Nummer 2 erkennt man einen weiteren Einflussfaktor auf den Abrieb an der Zylinderwand, das sogenannte Kolbenkippen. Es ist immer vorhanden und kann nie gänzlich beseitigt werden. Mann kann es nur konstruktiv und tribologisch minimieren.
    Bei jedem Arbeitsspiel wechselt der Kolben mehrmals die Anlageseite von Druck zu Gegendruckseite. Wieviel Kraft die Kolbenringe auf die Zylinderwand ausüben hängt nun wieder vom effektiven Mitteldruck und damit vom Lastfall ab.
    Schlussendlich kann man sagen, dass der Motor endgültigen Formgebung der Zylinderlaufbahn und der Kolbenringe alle Lastbereiche angefahren haben muss, und das ist je nach Motor (Diesel oder Benziner) eben mit unterschiedlich hohen Drehzahlen verbunden.
    Sorry, dass ich soweit ausgeholt habe, aber ich denke so ist es leichter zu verstehen. Um die Grundlagen des Themas rüber zu bringen kann man btw. ein ganzes Semester füllen. ;)
     

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  3. Allroad

    Allroad Audi A1 Senior

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    Ich habe diesen Artikel gefunden:

    Wie geschmiert | Technology Review

    Demnach sollte man das Fahrzeug am Anfang nicht schonen, um später weniger Verschleiss zu haben.
     
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  4. Zetti

    Zetti Audi A1 Guru

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    Schon interessant was man bei der Neuwagenabholung in Neckarsulm zu hören bekommt. Da man mir zum Motor (2.0 TDI) nicht viel sagen konnte (die Mitarbeiterin von Audi hat mich bei geöffneter Motorhaube - stehen die Buchstaben TDI noch irgendwo größer? - gefragt ob es ein Benziner oder Diesel ist), habe ich mal die Thematik "Einfahren" angesprochen.
    Schließlich hatte ich auf der Werksführung bei der A8-Endmontage gelernt, dass hier die Motoren erstmalig mit Kraftstoff gestartet und in Betrieb genommen werden.
    Die Antwort hat mich umgehauen.... ich dürfte angeblich die ersten 1000km bis 4000 drehen. Btw, danach wird es im Drehzahlmesser schnell rot! Auch auf meine explizite Nachfrage hin wurde mir sogar gesagt, dass es egal sei, wie diese Drehzahl erreicht wird; also ganz piano oder den Stift durchdrücken.

    Öhm, ich habe mich nicht daran gehalten und bin mit max. 3000 Umdrehungen gefahren. Die Straßen- und Verkehrsverhältnisse haben aber rasantes Fahren ohnehin nicht erlaubt.

    Mein Händler war erschrocken ob dieser Aussage bezüglich der 4000 :eek:hmy:
     
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  5. k!su

    k!su Audi A1 Guru

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    Mein Verkäufer teilte mir am Mittwoch bei der Fahrzeugübergabe mit, dass das Motorsteuergerät die volle Motorleistung nicht vom ersten Kilometer an zur Verfügung stellt, sondern diese über zunehmende Laufleistung sukzessive erhöht... Das klingt für mich jetzt irgendwie schwer nach Vertriebler-Schwachsinn oder?
     
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  6. A1Scuba

    A1Scuba Mitglied

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    Das ist es auch.
    Ich frage mich, warum ich nie an solche Kapazitäten gerate... :D
    Dem würd ich mal was erzählen. Was denkt der, was er davon hat, die Kunden so zu verarschen?
     
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  7. k!su

    k!su Audi A1 Guru

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    Ich hab auch nur schief geguckt als er das sagte, hatte aber auch keine Lust auf eine Diskussion. Ich wollte einfach nur einsteigen und FAHREN :w00t:
    Nichtsdestotrotz fahre ich zur Zeit ziemlich sachte und nie über 2000 1/min. Habe jetzt 180km auf der Uhr :D
    (was allerdings extrem schwer ist wenn man weiß, dass man 320Nm zur Verfügung hätte)
     
    #157 k!su, 19.04.2013
    Zuletzt bearbeitet: 19.04.2013
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  8. Doc Brown

    Doc Brown Mitglied

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    Angeregt durch den Ölverbrauchsthread habe ich diese bemerkenswerte Abhandlung nun gefunden.
    Weit in der Meinung auseinander waren wir nicht, im Gegenteil, denn ich meinte mit "flat-out" ab 1500km nicht Autobahn, sondern genau was Du schreibt: alle Gasstellungen durch alle Drehzahlen. Das ergibt sich meistens dann automatisch. :wink:
    Na jedenfalls hat das bei meinen 2- und 4-rädrigen / -zylindrigen Saugmotoren bisher gut geklappt... Beim TFSI bisher auch
     
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  9. sessantanove

    sessantanove Audi A1 Guru

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    Da ich ja in naher Zukunft einen S1 erhalte interessiert mich das Thema einfahren auch wieder. Nun habe ich auf Audi.at folgendes gefunden.


    Am Beginn einer
    langen Freundschaft


    Auf Ausdauer trainiert
    Ein gut eingefahrener Motor bietet optimale Voraussetzungen, die Alltagsbelastungen von der Kurzstrecke bei Kälte bis zur schnellen Autobahnfahrt bei Hitze über sehr lange Zeit durchzustehen und dennoch optimale Verbrauchswerte beizubehalten. Kriterien, die zu einer langen Lebensdauer beitragen. Und damit auch zu einem hohen Fahrzeugwert beim Wiederverkauf.

    Richtig einfahren - aber wie?

    Ob Drei- oder Zwölfzylinder, ob Benziner oder Diesel: Die Audi Motoren sind Hochleistungsmaschinen, die für Power, Zuverlässigkeit, lange Lebensdauer und wirtschaftlichen Betrieb konzipiert sind. Diese Eigenschaften bleiben besonders lange erhalten, wenn beim Einfahren einige Tipps beachtet werden.

    Die Einfahrphase ist nach ungefähr 20 Betriebsstunden abgeschlossen. Das entspricht bei normaler Fahrweise einer Wegstrecke von 1.000 bis 1.500 Kilometern. Das korrekte Einfahren während der ersten Kilometer eines neuen Motors erfordert dabei relativ wenig Aufwand, wenn Sie dabei folgendes beachten:

    • Fahren Sie den Motor nach dem Starten im kalten Zustand immer behutsam warm. Damit tragen Sie zu einer langen Lebensdauer des Motors entscheidend bei.
    • Belasten Sie den Motor nicht auf einer ersten Autobahnetappe gleichmäßig: Verändern Sie den Lastzustand und durchfahren Sie sehr niedrige sowie sehr hohe Drehzahlen nur kurzfristig. Das Gaspedal sollte nur im Notfall ganz durchgetreten werden.
    • Benutzen Sie nur hochwertiges Markenöl derjenigen Qualität, welche die Betriebsanleitung angibt. Wird Öl nachgefüllt, sollte es über die gleiche Viskosität verfügen, die auch die ursprüngliche Füllung aufweist.
    • Grundsätzlich erfüllen alle Markenöle von bekannten Mineralölfirmen die Anforderungen, die Audi an Öle stellt und können auch untereinander gemischt werden.
     
  10. GE.Micha

    GE.Micha Audi A1 Guru

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    Ich finde die einfahrdiskusionen immer spannend!

    Ich mache es mir einfach, ich fahr so wie immer, also Rücksicht auf der ist Neu nehme ich nicht.
    Meine Erfahrungen sind diesbezüglich auch nicht negativ.
    Alle meine Autos haben die 200.000km und mehr locker geschafft, defekte gab es, aber nie im Bereich Motor oder Getriebe.
    Ölwechsel frühestens bei 30000km und weiter immer in dem Rhythmus.
    Mein Superb hat nun 52.000km in 14 Monaten.Die erste Tour mit 50km bin ich nach Österreich gefahren, Tacho durchaus 180 km/h und mehr, also normale Urlaubsreise.
    Auswirkungen bisher keine, beim Passat war es ähnlich und der läuft heute noch mit 220.000km ohne Probleme.

    Ich kann nachvollziehen wenn jemand mit etwas Neuem etwas übervorsichtig ist, das ist auch gut so.
    Für mich ist zumindest mein Skoda ein Arbeitsgerät, und der wird nicht sonderlich geschont, böse war er mir deshalb noch nicht :cool2:
     

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